Case Study

dieWebpflege — Websites für Pflegedienste im Monatsabo

Ein eigenes Produkt statt eines Kundenprojekts: Websites für Pflegedienste, Heime und Tagespflegen — als betreutes Monatsabo statt als einmaliges Projekt. Von der Nischenwahl über Preismodell und Leistungsschnitt bis zur Umsetzung der Produktseite.

dieWebpflege — Websites für Pflegedienste im Monatsabo

Ausgangspunkt

dieWebpflege ist kein Auftrag, sondern ein eigenes Produkt: Websites für ambulante Pflegedienste, Heime und Tagespflegen — nicht als einmaliges Projekt, sondern als betreute Monatsrate.

Der Anlass war ein wiederkehrendes Muster. Eine Einrichtung lässt eine Seite bauen, zahlt einmal, und danach kümmert sich niemand mehr. Zwei Jahre später steht dort eine Pflegedienstleitung, die längst gewechselt hat, Öffnungszeiten von vorgestern und ein Stellenangebot, das seit Monaten besetzt ist. Nicht aus Nachlässigkeit — sondern weil niemand im Haus dafür zuständig ist und der Dienstleister nach dem Launch weg war.

Das ist kein Designproblem. Es ist ein Geschäftsmodellproblem: Einmalzahlung endet, der Pflegebedarf an Aktualität nicht.

Die Entscheidung, die alles andere bestimmt

Statt „Websites für kleine Unternehmen" — eine Nische mit genau einer Zielgruppe. Das klingt nach Verzicht und ist das Gegenteil: Weil alle Kunden dasselbe Problem haben, lässt sich fast jede Entscheidung einmal treffen statt pro Auftrag neu.

Konkret heißt das: Der Leistungsschnitt kennt Standorte, Öffnungszeiten, Ansprechpartner und Stellenausschreibungen als feste Bausteine, weil jede Einrichtung sie braucht. Die Texte kennen die Fragen, die Angehörige tatsächlich stellen. Die Preisstaffel misst nicht Seitenzahl, sondern das, was in dieser Branche variiert: Standorte, Stellen und Änderungen pro Monat.

Was gebaut wurde

  • Vier Pakete von 179 € bis 599 € netto im Monat, gestaffelt nach Standorten, Stellenanzeigen und Änderungen pro Monat — Aufbau inklusive, keine Einmalgebühr
  • Leistungsumfang als Produkt statt als Angebot: Struktur, redaktionelle Texte, Bildbearbeitung, Standortkarten, Stellenportal mit Bewerbungsformular, Impressum und Datenschutz, AVV, monatlicher Bericht
  • Selbstpflege-Bereich: Öffnungszeiten, Stellen und Neuigkeiten ändert die Einrichtung selbst in rund zwei Minuten; alles Größere läuft über das Abo
  • Technische Grundlinie: Server in Deutschland, tägliche Sicherungen, keine Fremddienste und damit kein Cookie-Banner, Barrierefreiheit mit WCAG 2.1 AA als Ziel und einer offen dokumentierten Liste dessen, was noch offen ist
  • Produktseite (Nuxt) mit Musterseiten für ambulanten Dienst und Trägerverbund, Preisrechner-Logik und Terminbuchung fürs Erstgespräch

Der Ton: benennen statt bewerben

Die Zielgruppe sind Leitungen und Träger, die für Werbesprache wenig übrig haben — und die im Zweifel zwölf Monate Laufzeit unterschreiben. Vertrauen entsteht hier nicht durch Superlative, sondern dadurch, dass jemand die Lage beim Namen nennt.

Deshalb steht auf der Seite genauso prominent, was das Abo nicht kann: keine Shops, keine Portale mit Anmeldung, keine Apps, keine Stockfotos, kein eigener gestalterischer Entwurf, keine Reaktionsgarantie am Wochenende. Diese Liste hat im Erstgespräch mehr Wirkung als jede Referenz — sie zeigt, dass der Preis kein Lockangebot ist.

Dazu ein durchgerechneter Ablauf statt vager Versprechen: 3–5 Wochen bis Go-live, zwei Korrekturrunden, insgesamt rund drei Stunden Zeitaufwand aufseiten der Einrichtung. Wer Personalmangel verwaltet, entscheidet nach Aufwand, nicht nach Optik.

Stand

Die erste Einrichtung wird seit 2022 betreut; daraus kamen Weiterempfehlungen an zwei weitere Häuser. Seit 2025 ist daraus ein Produkt mit festen Paketen, eigener Marke und eigener Seite geworden — Positionierung, Preisschnitt und Prozess sind noch in Bewegung.

Was ich daraus mitnehme

Als Designer entwerfe ich normalerweise innerhalb eines Rahmens, den jemand anderes gesetzt hat: Zielgruppe, Umfang, Preis. Hier musste ich den Rahmen selbst setzen — und dabei gelernt, dass Positionierung und Preismodell die härteren Designentscheidungen sind als jedes Interface. Ein Paketschnitt, der die falschen Dinge zählt, lässt sich durch keine Gestaltung reparieren.

Der zweite Punkt betrifft Ehrlichkeit als Werkzeug: Die Absätze, in denen das Produkt seine eigenen Grenzen benennt, sind die, die im Gespräch am häufigsten zitiert werden.

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